Wie kam es zur Entwicklung der Standards?

Nach der Entwicklung der Langversion der MEVOC-Qualitätsstandards führte die Partnerschaft eine internationale Delphi-Expertenumfrage in allen Projektpartnerländern (Österreich, Deutschland, Vereinigtes Königreich, Niederlande, Rumänien, Polen) durch, um die Standards empirisch zu evaluieren. An der Studie nahmen 127 ExpertInnen aus dem Bildungs- und Berufsberatungssektor teil, die einen quantitativen und qualitativen Fragebogen schriftlich beantworteten. Sie wurden um Angaben gebeten, ob die einzelnen Qualitätsstandards gemäß ihren Erfahrungen „unbedingt erforderlich“, „mittelmäßig erforderlich“ oder „nicht erforderlich“ waren. Ferner wurden Sie gebeten, Standards hinzuzufügen, die laut ihrer subjektiven Ansicht fehlten.

Die Ergebnisse der Delphi-Expertenumfrage führten zur Entscheidung, eine „gekürzte“ Fassung der Standards zu entwickeln, die nur die wichtigsten Standards umfasste. Die PartnerInnen ermittelten dafür jene Standards, die zumindest von 75 % aller Befragten als „unbedingt erforderlich“ erachtet wurden, und ergänzten sie durch mehrere andere, die die 75%Prozentmarke nicht erreicht hatten, jedoch vom MEVOC-Expertenteam als höchst wichtig für die Praxis erachtet wurden. Diese „reduzierten“ MEVOC-Standards umfassen vier Kompetenzkategorien: „Bildung und Karriere“, „Beratungspraxis“, „Persönlichkeit“ und „IKT-Kompetenzen“. Diese enthalten 12 Standards, welche wiederum 35 erforderliche Kompetenzen umfassen, wie unten dargestellt.

Kategorien

Kompetenzstandards

 

Bildung und Karriere

Aus- und Weiterbildung

Über aktuelle Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten Bescheid wissen

Trainingsbedarf zur professionellen Weiterentwicklung bei individuellen Klienten identifizieren können

Wissen in Bezug auf relevante Ausbildungsinstitutionen und -möglichkeiten vermitteln können

Arbeitsmarktdynamik und Berufswelt

in Bezug auf Arbeitsmarktveränderungen und -trends Bescheid wissen, diese aktiv beobachten und Zugang zu diesbezüglich relevanten Quellen und Ressourcen haben

in Bezug auf existierende Berufe und deren Hauptakteure, Anforderungen, Aussichten und Ausbildungsmöglichkeiten Bescheid wissen und Zugang zu diesbezüglich relevanten Quellen und Ressourcen haben

In Bezug auf freie Stellen und Beschäftigungsmöglichkeiten bzw. Jobsuchmöglichkeiten Bescheid wissen

Beratung

Kommunikation mit Klienten

Über Charakteristika verschiedener Zielgruppen Bescheid wissen und für die Zielgruppe speziell maßgeschneiderte Beratungsstrategien entwickeln können

Über soziale Basisfertigkeiten verfügen und mit unterschiedlichen (evtl. auch schwierigen) Zielgruppen umgehen können

Klienten identifizieren können, die sich in problematischen Situationen befinden (z. B. Menschen mit gesundheitlichen oder finanziellen Problemen, Drogensüchtige) und sie an Spezialisten verweisen können

Eigeninitiative fördern / wecken können

Coaching

Sich in einer verständlichen Art und Weise ausdrücken und Inhalte verständlich präsentieren können

Klienten motivieren können

Gerne helfen, jedoch auch professionelle Distanz bewahren können

Assessment

Frage- und Interviewtechniken beherrschen

Basiskommunikations- und Beratungsfähigkeiten beherrschen

Die Bedürfnisse von Klienten analysieren können

Bei Klienten vorhandene Kompetenzen identifizieren können, die zum Selbstständig machen erforderlich sind sowie diesbezüglich relevante Informationen vermitteln können

Über die gängigen Interessens- und Fähigkeitstests Bescheid wissen, die in der Bildungsberatung verwendet werden

Testergebnisse analysieren und in den Beratungsprozess integrieren können

Jobsuche und Stellenvermittlung

Über den individuellen Bedarf und die Möglichkeiten eines Klienten Bescheid wissen und diese Information mit den aktuellen Anforderungen des Arbeitsmarktes in Verbindung bringen können

Über formale Anforderungen des Bewerbungsvorgangs Bescheid wissen

Vermitteln können, wie man gezielt in Übereinstimmung mit den eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten nach Jobangeboten sucht und dabei interne und externe Netzwerke und Quellen verwendet

Ethik

Über ethische Standards für Berater Bescheid wissen (z. B. AIOSP) und sich an den Verhaltenskodex halten

Persönlichkeit

Beraterprofil

Im Job motiviert sein

Positiv denken

Sich nicht vor neuen Erfahrungen oder Veränderungen scheuen

Aktiv zuhören können

Sich seiner Körpersprache bewusst sein, sie kontrollieren und adaptieren können

In Bezug auf kulturelle Unterschiede tolerant und offen sein

Zeitmanagement

Aktivitäten planen und organisieren können; sich selbst organisieren können

Prioritäten setzen und sich auf Einzelaktivitäten konzentrieren können sowie Zeitpläne, wenn nötig, (auch kurzfristig) ändern können

Stress und Frustration

Mit Stress und Frustration umgehen können

Persönliche Weiterentwicklung

Sich seiner eigenen Grenzen bewusst sein, sich regelmäßig einer Selbstreflexion unterziehen und sein Selbstkonzept adaptieren bzw. weiterentwickeln

Willig sein, sich lebenslang fortzubilden

Informationstechologien

PC und Informations¬management

IKT-Basisfertigkeiten (Word, Internetsuchmaschinen, E-Mail)