Wie kam es zur Entwicklung der Standards?

Die MEVOC-Kompetenzstandards wurden vom MEVOC-Expertenteam auf Grundlage der Ergebnisse einer umfassenden Ex-ante-Analyse entwickelt, die in der ersten Projektphase durchgeführt wurde. Sie sind derzeit auf Englisch, Deutsch, Italienisch, Niederländisch, Rumänisch und Polnisch verfügbar. Die ursprünglich entwickelten MEVOC-Standards (deren Langfassungen Sie weiter unten finden) umfassen die folgenden sieben Kompetenzkategorien: „Bildung und Karriere”, „Methoden“, „Beratungskompetenzen”, „Organisationskompetenz”, „Stellenvermittlung”, „Persönlichkeit” und „Informationsmanagement”.

Empirische Evaluierung der MEVOC-Kompetenzstandards:

Um diese große Auswahl an Standards empirisch ausarbeiten zu können und auf eine Reihe von „Kernstandards“ zu reduzieren, führte die MEVOC-Partnerschaft eine Delphi-Expertenumfrage in allen Projektpartnerländern durch. An der Studie nahmen 127 ExpertInnen aus dem Bildungs- und Berufsberatungssektor teil, die einen quantitativen und qualitativen Fragebogen schriftlich beantworteten. Sie wurden um Angaben gebeten, ob die einzelnen Qualitätsstandards gemäß ihren beruflichen Erfahrungen „unbedingt erforderlich“, „mittelmäßig erforderlich“ oder „nicht erforderlich“ waren. Ferner wurden sie gebeten, Standards hinzuzufügen, die laut ihrer subjektiven Ansicht fehlten.

Langfassung MEVOC-Kompetenzstandards

 



MEVOC - Quality Manual for Educational and Vocational Counselling


QUALITÄTSSTANDARDS

 

 

Kategorie A: Karriere und Bildung

 

 

A.1

Standard: Zielgruppe

A.1.1

Über Größe und allgemeine Beschaffenheiten der Zielgruppe Bescheid wissen

A.1.2

Für die Zielgruppe speziell maßgeschneiderte Beratungsstrategien entwickeln können

A.2

Standard: Andere Beratungseinrichtungen

A.2.1

Gute aktive und passive Networking-Kompetenzen haben – vor allem auf regionalem Niveau

A.2.2

Über Beratungsnetzwerke Bescheid wissen

A.3

Standard: Karriereentwicklungs-Theorien

A.3.1

Basiswissen in Bezug auf relevante und anwendbare Karriere- und Kompetenzmodelle / -theorien

A.3.2

Lerntheorien beherrschen

A.3.3

Wissen in Bezug auf Lebenszyklus-Modelle / Theorien

A.4

Standard: Ethische Aspekte

A.4.1

Sich vertraulich verhalten

A.4.2

Sich an den Verhaltenskodex halten

A.4.3

Eigeninitiative fördern / wecken können

A.5

Standard: Arbeitsmarktdynamik

A.5.1

Aktive Beobachtung von, beziehungsweise Wissen in Bezug auf Arbeitsmarktveränderungen und –trends (z.B. Einfluss neuer Technologien)

A.5.2

Relevante Informationsquellen kennen

A.5.3

Aktiv auf regionale, lokale und nationale Trends reagieren können (z.B. sozialökonomisch, demographisch, sektorspezifisch)

A.5.4

Analytische Fähigkeiten in Bezug auf Trends

A.6

Standard: Berufe

A.6.1

Basiswissen in Bezug auf existierende Berufe, deren Anforderungen, Aussichten und Ausbildungsmöglichkeiten

A.6.2

Zugang zu Informationsquellen haben

A.7

Standard: Ausbildungsmöglichkeiten

A.7.1

Wissen in Bezug auf Ausbildungsinstitutionen und Ausbildungsmöglichkeiten

 

Kategorie B: Methoden

 

 

B.1

Standard: Interviewtechniken

B.1.1

Fragetechniken beherrschen (NLP; systemisch, ziel- und ressourcenorientiert)

B.1.2

Aktiv zuhören können

B.1.3

Dinge umschreiben können

B.2

Standard: Analyse des Klientenbedarfs

B.2.1

Gute Networking-Fähigkeiten für den Kontakt mit anderen Institutionen

B.2.2

Klienten identifizieren können, die sich in problematischen Situationen befinden (z.B. Menschen mit gesundheitlichen oder finanziellen Problemen, Drogensüchtige) und sie an Spezialisten verweisen können

B.2.3

Sensibel in Bezug auf soziale Grenzen von Klienten sein

B.3

Standard: Psychodiagnostik

B.3.1

Über existierende Tests Bescheid wissen

B.3.2

Die Anwendbarkeit von Testverfahren überprüfen können

B.3.3

Testverfahren durchführen können

B.3.4

Testergebnisse interpretieren und Klienten Feedback in Bezug darauf geben können

B.3.5

Testergebnisse in den Beratungsprozess integrieren können

B.4

Standard: Interaktive Trainingsmethoden

B.4.1.

Verschiedene didaktische Methoden kennen

B.4.2

Verschiedene didaktische Methoden anwenden können

B.4.3

Kursteilnehmer motivieren können

B.4.4

Verschiedene Medien einsetzen können (z.B. E-Learning)

B.5

Standard: Sozialwissenschaften

B.5.1

Basis-Statistikwissen

B.5.2

Basiswissen in sozialwissenschaftlichen Forschungsmethoden (quantitative, qualitative)

B.5.3

Forschungsprojekte durchführen können

B.5.4

Forschungsergebnisse interpretieren können

B.6

Standard: Datenverarbeitung und Evaluierung

B.6.1

PPT-Präsentationen erstellen können

B.6.2

Mit Datenbanken umgehen können

B.6.3

Basis-Internetfähigkeiten

B.6.4

Mit Suchmaschinen umgehen können

B.7

Standard: Medien

B.7.1

PC, Laptop, Beamer und CD-Rom benützen können

B.7.2

Video- und Audio Equipment benützen können

B.7.3

Videoconferencing benützen können

 

Kategorie C: Beratungskompetenzen

 

 

C.1

Standard: Organisationskompetenz

C.1.1

Selbstmanagementkompetenz (inklusive Zeitmanagement, Finanzmanagement, Frustrationsmanagement, sich seiner Grenzen bewusst sein)

C.2

Standard: Kommunikation und Social Skills

C.2.1

Basiswissen in NLP

C.2.2

Basis bis Fortgeschrittenenwissen in Kommunikationsfähigkeiten (z.B. Roger)

C.2.3

Soziale Basisfertigkeiten (wie man sich beim Kontakt mit problematischen Zielgruppen verhält; z.B. Drogensüchtige)

C.3

Standard: Telephon-Beratungsfertigkeiten

C.3.1

Basiskommunikations- und Beratungsfähigkeiten

C.3.2

Bescheid wissen, welche Institutionen Beratung per Telephon anbieten

C.4

Standard: Analytische Fähigkeiten

C.4.1

Psychologische Basis-Beratungsfähigkeiten

C.5

Standard: Eigeninitiative von Klienten initiieren/fördern

C.5.1

Psychologische Basis-Beratungsfähigkeiten

C.6

Standard: Coaching

C.6.1

Coachingfähigkeiten

C.7

Standard: Interviewfähigkeiten

C.7.1

Fortgeschrittenes Beherrschen von Interviewtechniken

C.8

Standard: Ethisches Verhalten

C.8.1

Über ethische Standards für Berater Bescheid wissen (AIOSP)

C.8.2

Über ethische Belange Bescheid wissen

 

Kategorie D: Organisationskompetenz

 

 

D.1

Standard: Networking und Teamworking Kompetenz

D.1.1

Mit Menschen gut umgehen können

D.1.2

Über das professionelle Umfeld und die Hauptakteure Bescheid wissen

D.1.3

Kooperativ sein und Kompromissen gegenüber offen sein

D.2

Standard: Gruppendynamikkompetenz

D.2.1

Gruppen motivieren können

D.2.2

Aktive Teilnahme von Gruppenmitgliedern initiieren können

D.2.3

Probleme und Missverständnisse lösen können

D.3

Standard: Zeitmanagement

D.3.1

Aktivitäten planen und organisieren können

D.3.2

Dringlichkeiten identifizieren können

D.4

Standard: Job Matching

D.4.1

Über Jobmöglichkeiten am Arbeitsmarkt Bescheid wissen

D.4.2

Über Ausbildungsmöglichkeiten Bescheid wissen

D.4.3

Über individuellen Bedarf als auch Möglichkeiten eines Klienten Bescheid wissen

D.4.4

Das eigene Wissen in Bezug auf Job Matching anwenden können

D.4.5

Die Anforderungen des Arbeitsmarktes und individueller Arbeitsplätze analysieren können

 

Kategorie E: Stellenvermittlung

 

 

E.1

Standard: Jobsuche-Fähigkeiten vermitteln

E.1.1

Über Jobvermittlungsressourcen Bescheid wissen

E.1.2

Über formale Anforderungen eines Bewerbungsvorgangs Bescheid wissen (Lebenslauf, Bewerbungsgespräch, Verhalten,...)

E.1.3

Vermitteln können, wie man gezielt in Übereinstimmung mit den eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten nach Jobangeboten sucht

E.2

Standard: Die Jobsuche selbst

E.2.1

Über verschiedenste Jobvermittlungsressourcen Bescheid wissen

E.2.2

Interne und externe Netzwerke und Quellen für die konkrete Jobsuche verwenden können

E.3

Standard: Unterstützung beim Selbstständig machen

E.3.1

Basiswissen, wie man ein Unternehmen gründet

E.3.2

Basiswissen, welche Institutionen Start-Ups unterstützen

E.3.3

Erforderliche Kompetenzen identifizieren können, die bei Selbstständigkeit und Unternehmertum notwendig sind

E.4

Standard: Weitergehende Unterstützung

E.4.1

Wissenslücken bzw. Kompetenzlücken bei Klienten identifizieren können, die für die berufliche Weiterentwicklung notwendig sind / sein könnten

E.5

Standard: Nationale und internationale Personalvermittlungseinrichtungen

E.5.1

Über nationale und internationale Personalvermittlungseinrichtungen Bescheid wissen

E.5.2

Klienten dahingehend motivieren können, Jobvermittlungseinrichtungen zu nutzen

E.5.3

Über das Bewerbungsprozedere Bescheid wissen

E.5.4

Über nationale und internationale Stipendien und Fördermöglichkeiten Bescheid wissen

 

Kategorie F: Persönlichkeit

 

 

F.1

Standard: Initiative

F.1.1

Selbstsicher sein

F.1.2

Motiviert sein

F.1.3

Kreativ sein

F.1.4

Sich nicht vor neuen Erfahrungen oder Veränderungen scheuen

F.1.5

Optimistisch sein

F.1.6

Flexibel und spontan sein

F.2

Standard: Unter Druck arbeiten

F.2.1

Mit Stress und Frustration umgehen können

F.2.2

Sich seiner eigenen Grenzen bewusst sein

F.2.3

Seine eigenen Defizite kompensieren können

F.2.4

Sich regelmäßig selbst überprüfen und sein eigenes Selbstkonzept adaptieren bzw. weiterentwickeln

F.3

Standard: Selbstreflexion

F.3.1

Zu sich selbst und anderen ehrlich sein

F.3.2

Sich nicht vor der Realität scheuen

F.3.3

Beim Umgang mit anderen einfühlsam und vorsichtig sein

F.3.4

In Bezug auf kulturelle und interkulturelle Unterschiede tolerant sein

F.3.5

Risiken eingehen und bewusst mit ihnen umgehen können

F.4

Standard: Zeitmanagement

F.4.1

Die eigene Zeitplanung durchführen können

F.4.2

In Bezug auf alle eigenen Aktivitäten gut orientiert sein

F.4.3

Den Zeitplan bei Bedarf ändern können und wollen

F.4.4

Prioritäten setzen können

F.4.5

Sich auf Aktivitäten konzentrieren können

F.5

Standard: Einfühlungsvermögen

F.5.1

Verständnisvoll und vorsichtig sein

F.5.2

Offen und flexibel sein

F.5.3

Bestimmt sein, jedoch seine Meinung positiv darstellen können

F.5.4

Selbstsicher sein

F.5.5

Gerne helfen, jedoch auch Grenzen setzen können

F.5.6

Einfühlsam sein

F.6

Standard: Vertrauenswürdigkeit

F.6.1

Selbstsicher sein

F.6.2

Tolerant sein

F.6.3

Sich ethischer Regeln bewusst sein und sie befolgen

F.6.4

In Face-to-Face Beratungsgesprächen extravertiert auftreten

F.6.5

Sich seiner Körpersprache bewusst sein, sie kontrollieren und adaptieren können

F.6.6

Sich in einer verständlichen Art und Weise ausdrücken können

F.6.7

Pünktlich sein

F.7

Standard: Wertfreiheit

F.7.1

Eine objektive Meinung über einen Klienten entwickeln und bewahren können

F.7.2

Sich bestimmter psychologischer Effekte bewusst sein (z.B. Haloeffekt)

F.7.3

In Bezug auf kulturelle Unterschiede tolerant und offen sein

F.7.4

Verständnisvoll sein

F.8

Standard: Selbstmanagement

F.8.1

Sich selbst organisieren können

F.8.2

Sich seines Selbstkonzeptes bewusst sein

F.8.3

Sich seiner Lebensziele bewusst bleiben

F.8.4

Willig sein, sich lebenslang fortzubilden

F.8.5

Sich selbst selbstbewusst präsentieren können

F.8.6

Sich selbst reflektieren können

F.9

Standard: Flexibilität

F.9.1

Änderungen gegenüber offen und spontan sein

F.9.2

Sich nicht vor Neuigkeiten scheuen

F.9.3

Kulturellen Unterschieden gegenüber offen und tolerant sein

F.9.4

In Bezug auf Informationsmanagement flexibel sein beziehungsweise die Vergabe von Informationen an die Bedürfnisse eines individuellen Klienten anpassen

F.9.5

Selbstsicher sein

F.9.6

Sich gegenüber Einflüssen von anderen Personen abgrenzen können

 

Kategorie G: Informationsmanagement

 

 

G.1

Standard: Relevante Informationsquellen

G.1.1

Internet-Suchmaschinen kennen

G.1.2

Relevante Karriereinformationsseiten im Internet kennen (z.B. Ploteus)

G.1.3

Ressourcennetzwerke und -institutionen kennen (z.B. Euroguidance)

G.1.4

Personalvermittlungsfirmen kennen

G.2

Standard: Suchstrategien

G.2.1

Wissen, wie Internetsuchmaschinen Suchresultate gewichten

G.2.2

Klassifikationssysteme im Bereich der Karriereressourcen kennen

G.2.3

Wissen, wie man im Internet nach Informationen sucht

G.3

Standard: Evaluation und das Filtern von Information

G.3.1

Darüber aufgeklärt sein, ob es Standards gibt, die man zur Informationsevaluierung in der nationalen Beratung verwenden soll, und wenn ja - welche

G.3.2

Website-Evaluierungsinstrumente kennen (z.B. Ariadne)

G.3.3

Sich spezieller Bedürfnisse unterschiedlicher Zielgruppen bewusst sein

G.4

Standard: Zielgruppenspezifisches Informationsmanagement

G.4.1

Inhalte verständlich präsentieren können

G.4.2

Sich der Bedürfnisse spezieller Zielgruppen bewusst sein (z.B. Lese- oder Schreibschwierigkeiten, Sehstörungen, ...)

G.4.3

Die Informationsvermittlung an den individuellen Bildungsstand und Erfahrungsschatz verschiedener Zielgruppen anpassen können